Welche Zwei-Staaten-Lösung??? (20.01.2025)
Eines der zentralen Konfliktfelder im Nahen Osten ist der ungelöste Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern. Im Kern geht es um territoriale Ansprüche auf das Gebiet zwischen Jordan und Mittelmeer. Der am 14. Mai 1948 gegründete Staat Israel erstreckt sich heute über 78 Prozent dieses Gebietes. Den restlichen Teil, die Palästinensischen Gebiete, hält Israel seit 1967 besetzt (Westjordanland, Ost-Jerusalem und Gazastreifen). Auf diesem überwiegend von Palästinensern aber auch israelischen Siedlern bewohnten Gebiet streben die Palästinenser ihrerseits einen unabhängigen Staat an, auf den sie aufgrund des Selbstbestimmungsrechts und diverser UN-Resolutionen auch einen Anspruch haben.
Auf den Seiten des Auswärtigen Amtes ist zu lesen: „Die am 7. Oktober 2023 durch den Terrorangriff der Hamas auf Israel ausgelöste Eskalation des Konflikts lässt die Zweistaatenlösung einerseits noch komplexer erscheinen, andererseits rückte diese wieder stärker in den Blick, wenn es um Bemühungen geht, nachhaltig Sicherheit, Frieden und Würde für beide Seiten zu gewährleisten.“ Des Weiteren ist dort zu lesen: „Bedingt durch seine Geschichte trägt Deutschland eine besondere Verantwortung gegenüber Israel als jüdischem und demokratischem Staat und für dessen Sicherheit. Gleichzeitig erkennt Deutschland das Selbstbestimmungsrecht der Palästinenser und ihr Streben nach einem eigenen Staat an. Deutschland und seine Partner sind überzeugt: Nur durch Verhandlungen ist das Ziel erreichbar, dass letztlich ein unabhängiger, demokratischer und lebensfähiger palästinensischer Staat Seite an Seite in Frieden und Sicherheit mit Israel lebt. Nur eine für beide Seiten akzeptable, verhandelte Zwei-Staaten-Lösung kann zu einem dauerhaften Frieden zwischen Israelis und Palästinensern führen.“
Nun fragt es sich aber inzwischen, wie eine solche, immer wieder beschworene, „Zwei-Staaten-Lösung“ aussehen soll: Knapp 700.000 jüdische Siedler haben sich inzwischen im Westjordanland festgesetzt in über 260 Siedlungen – das macht ca. 13% des Gebietes der sogenannten „Westbank“ aus. Das alles müsste geräumt werden, um ein eigenständiges Palästina zu errichten. Das machen die Siedler nicht mit – sicher nicht, und es gäbe zudem hinreichend Unterstützer für sie im Staat Israel selbst; politisch also nicht durchsetzbar.
Andere Überlegungen wollen die entstandenen Siedlungen bestehen lassen, diese durch „Korridore“ miteinander verbinden und den Rest, der dann noch bleibt, zu Palästina erklären. Pragmatisch nicht umsetzbar, denn wie sollten die Palästinenser in einem Land agieren, das durchzogen ist von unüberwindbarer „Korridoren“, die palästinensisches Land von palästinensischem Land trennen, wo palästinensische Gebiete, wie Inseln in einem Meer liegen würden, allerdings nicht frei mit Booten oder Schiffen erreichbar, sondern durch Stacheldraht getrennt.
Und ein Weiteres kommt hinzu: Israel hat 2024 so viel Boden im Westjordanland zu staatlichem Land erklärt, wie in den vergangenen zehn Jahren nicht. Insgesamt sind es knapp 5.900 Acre, beinahe 24 Quadratkilometer. Das ist Annektion in kleinen Schritten, welches aus „besetztem“ Gebiet Staatsgebiet macht, Israel vergrößert und „Palästina“ kleiner werden lässt. Israels Außenminister Gideon Saar hat, mit Blick auf die Amtseinführung von Präsident Trump am heutigen Tag, ausgeführt: „dass es um „umstrittene Gebiete“ gehe, „wenn wir einen Anspruch auf bestimmte Gebiete haben, vor allem auf die, in denen unsere Bürger leben“. Damit sind die bereits geschaffenen Realitäten als unumkehrbar definiert, losgelöst von allen völkerrechtlichen Grundsätzen.
Finanzminister Smotrich hat in der Jerusalemer Knesset vor Kurzem ausgeführt: „Das Jahr 2025 wird mit Gottes Hilfe das Jahr der Souveränität in Judäa und Samaria sein.“ Gemeint ist das Westjordanland – völkerrechtlich betrachtet besetztes palästinensisches Gebiet. Die israelische Regierung hingegen verwendet die biblischen Namen für die Region und untermauert damit ihre Vorstellung, dies alles stehe Israel zu. Der als neuer Botschafter der USA in Tel Aviv vorgesehene Mike Huckabee erklärte kürzlich: „So etwas wie einen Palästinenser gibt es nicht.“ Es gebe Araber und Perser – aber Palästinenser seien „ein politisches Werkzeug, um Israel Gebiete abzutrotzen“. Der evangelikale Christ Huckabee spricht selbst durchgängig von Judäa und Samaria statt vom Westjordanland. Die – völkerrechtlich illegalen – israelischen Siedlungen dort nennt er „Gemeinden“, die Besatzung – laut jüngstem Gutachten des Internationalen Gerichtshofs ebenfalls illegal – gebe es gar nicht.
Eine sogenannte „Zwei-Staaten-Lösung“ steht auf geduldigem Papier, wird von Vielen der Mächtigen nicht gewollt, aber weiterhin als Absicht formuliert und vorgeschoben, um möglichst Zeit zu gewinnen, um noch mehr zu zementieren, von dem, was eh bereits „am Laufen“ ist. Und unsere europäischen Politiker, besonders in Deutschland, verschließen die Augen vor der Wirklichkeit und sprechen weiterhin von dieser „Zwei-Staaten-Lösung“ obwohl sie sehr genau wissen, dass diese nie und nimmer zu realisieren sein wird.
Hinzu kommt, dass innerhalb „Palästinas“ niemand weiß, wie ein solches eigenständiges „Palästina“ funktionieren soll; der eigenen Elite wird nicht über den Weg getraut; viel zu oft hat man die überall vorfindliche Korruption in all ihren Auswirkungen kennengelernt. Kein Palästinenser traut einem anderen zu, irgend etwas zum Wohl der Allgemeinheit tun zu wollen; jeder weiß, dass die anderen nicht anders sind, als man selbst: nur an den individuellen Interessen orientiert.
Was dann? Komplette Annexion? Das will Israel auch nicht, denn damit würde sich die Zahl der arabischen Bevölkerung im „neuen“ Israel so blitzartig nach oben verschieben, dass die Juden Angst haben, bald nicht mehr die Mehrheit im eigenen Land zu stellen. Die Sorge bestünde zu Recht. Und … Unmengen von jungen Arbeitskräften würden auf den israelischen Arbeitsmarkt strömen bzw. die Sozialkassen des Landes, soweit diese zuständig wären, ausschöpfen.
Die einfachste Lösung für Israel wäre es, wenn die Palästinenser sich „auflösen“ würden – am besten in Luft; einfach verschwinden, wenn nötig, auch nach Jordanien, Ägypten, Libanon oder sonst wohin. Auf keinen Fall in einem „eigenen, zweiten Staat“ aufgehen, denn wie sollte dieser, ohne Wirtschaft, ohne Struktur, ohne Perspektive – neben Israel – existieren?